vom Berater zum kreativen

Beim Einstieg in die Werbung hatte ich mich zur Laufbahn eines Beraters entschieden. Da in der Werbung eiserne Regeln herrschen, bedeutete dies: Einmal Berater – immer Berater.

 

Von einem Berater erwartet man kluge Sprüche und vor allem ein Verkaufstalent, um die „genialen Ideen der autorisierten Kreativen“ an die jeweiligen Kunden zu verkaufen.


Beratern ist es in traditionellen Agentur-Hierachien nicht erlaubt, eigene Ideen zu entwickeln. Dafür sind schließlich die Texter und Grafiker da.  Bei diesem Schubladen-Denken muss schon mal die Qualität der Idee hinten anstehen.

 

Dieser „Stalinismus“ brachte mich häufig zur Weißglut. Warum sollte ich dazu degradiert sein,  nur Ideen von "autorisierten" Kreativen zu verkaufen, die schlechter sind als meine eigenen? Vor textlich fühlte ich mich vielen meiner Kreativ-Kollegen überlegen.

 

Heute im Nachhinein betrachtet, war dies der Hauptgrund, warum ich meine eigene Agentur aufbaute. Denn hier konnte mir niemand untersagen, selbst kreativ zu werden – auch wenn bisher Berater auf meiner Visitenkarte stand. Im Unterschied zum traditionellen Agentur-Bild gab es in meiner Agentur keine Denkverbote, keine Scheren im Kopf. Entscheidend war immer die Qualität der Idee und nicht, welche Funktion der Kopf hatte, aus der sie entstand.

 

Mit dieser Methode fuhren meine Agentur und  ich persönlich von Anfang an bestens. Die Agentur entwickelte sich prächtig. Nicht nur die Branchendienste lobten uns über den grünen Klee. Ich persönlich genoss die Freiheit, nicht nur der Mannschaftskapitän sondern auch der kreative Kopf der Agentur zu sein. Dabei entdeckte ich auch schnell, dass ich als Kreativer talentierter war als in meiner Position als Agentur-Manager.