Meine kreativität

Innovative Ideen waren von Anfang meine Stärke und meine Passion. Doch die ersten Jahre  war ich  Berater, was im Schubladen-Denken einer Werbeagentur bedeutet, dass man die Ideen der Kollegen aus der Kreativ-Abteilung (also den "autorisierten" Kreativen) zu verkaufen hatte und nicht selbst kreativ werden durfte.

 

Das änderte, als ich die Chance bekam, für ein internationales Agenturnetzwerk eine neue Geschäftsunit aufzubauen. Dialog Marketing.

 

Da niemand an den durchschlagenden Erfolg von Anfang an glaubte, ging man defensiv an dieses Experiment. Man stellte mir ein klei-nes Büro in deren Agentur - und das war es.

 

So begann ich als One Man Show. Spöttisch nannten mich die Kollegen aus der Agentur, die mich alleine "werkeln" sahen:

 

    GRAKOTESEK

 

Was soviel hieß, wie, dass ich Grafiker, Kontakter/Berater, Texter und Sekretärin in einem sei!

 

Ich war also völlig auf mich alleine gestelltFast ein ganzes Jahr musste ich als one-man-show mich in der Löwengrube  der Werbe- agenturen durchkämpfen. Und dabei hatte ich nichts zu verteidigen, ich war "hungrig" und musste so  permanent angreifen. Meine Gegner waren immer die Platzhirsche der Branche. Mit bis zu 100 Mitarbeitern.

 

Es war wie, wenn ich mit einer Steinschleuder auf Großwild-Jagd geschickt wurde. 

 

Das schulte. 

Eine substanzielle Chance bekam ich vom weltweit führenden Markenartikler, Procter & Gamble. Ich wurde zu einem Pitch, also einen Agenturwettbewerb für eine internationale Marke aus deren Haus eingeladen.  Mein Gegner war eine Agentur mit 60 Köpfen. Ich arbeitete Tag und Nacht. Frei nach dem Motto: Du hast keine Chance, also nutze sie.

 

Tatsächlich gewann ich den Wettbewerb unter der Bedingung, dass ich sofort ein Team einstellen würde. Einen Texter, einen Grafiker und einen Berater. Ich entschied mich in allen 3 Positionen für Junioren. Und diese Entscheidung war richtig.

 

Ab sofort war ich der Abteilungsleiter für das kleine Team und konzentrierte mich vor allem auf die Kreation. Hier konnte ich den Vorteil meiner Beratererfahrung mit meiner kreativen Ader gut kombinieren. Im Unterschied zu vielen "L'art pour l'art" Lösungen der Branche, hielt ich mich an das Credo meiner damaligen Agentur: "It's not creative, unless it sells". 

 

Zu dieser Zeit erwarb ich mir den Ruf, der kreativste Kopf der Branche zu sein  (ob dies stimmte, mögen andere beurteilen). Denn ich entwarf bis dahin jedes Projekt alleine deklinierte es bis zum Schluss alleine durch. Externe Grafiker holte  ich immer erst kurz vor der Präsentation bzw. danach zur Realisation ins Boot.  Die Texte schrieb ich immer selbst.  Als ich später Grafiker und Texter einstellte,  war meine Rolle  die des Chef-Konzepters, Creative Director und Unitleiters. Und häufig immer noch die des Texters. Dieses reichlich unkonventionelle Modell funktionierte ziemlich gut. Aus der one-man-show wurde schnell eine voll funktionsfähige, erfolgreiche Unit. Da das Ganze sich so erfolgreich entwickelte, entschloss ich mich zu einem Management Buy out. Damit war der Grundstein für  die Agentur Dorfer Dialog gelegt!